Zufällig bei meinen Eltern fand ich über Weihnachten das Buch “Deutschland dritter Klasse: Leben in der Unterschicht” von Julia Friedrichs, Eva Müller und Björn Baumholt. Dessen Erscheinen im April 2009 ist irgendwie von mir unbemerkt geblieben. Ich finde das Buch absolut lesenswert. Eher zufällig parallel zum Inkrafttreten der Hartz-Gesetze entschieden sich die AutorInnen eine Reihe von Menschen “dritter Klasse” über vier Jahre zu begleiten. Gerade diese Längsschnitt-Betrachtung macht die Stärke des Buchs aus. Anders als viele Reportagen in den Medien sind es keine Momentaufnahmen, sonderen zeigen, wie Schule, Arbeitsagenturen, Hilfsangebote, usw. über Zeit wirken. Das Scheitern all dieser Institutionen wird dabei schonungslos demonstriert. Dabei zeigt sich, wie die Armut, soziale Überforderung und staatliche Institutionen zusammen zu einem Teufelskreis werden, aus denen es auch für Erwachsene wie ihre Kids kaum ein Entrinnen gibt. Fast schon tragisch ist, dass nur ein Fernsehbeitrag, der während der Recherchen entstanden ist, einem begleiteten Kind aus der Armutsfalle hilft – sie erhält ein Lehrstellenangebot eines engagierten Unternehmers aus dem Schwarzwald. Die Institutionen scheitern.
Europa
Dez
27
2009Literaturempfehlung “Deutschland Dritter Klasse”
Von Sven, 27. Dez 2009
Gelisted in: Mein Europa.
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