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Mein schlimmster Job – Abstürzende Vögel und Rechner


Das Handelsblatt hat mich im Rahmen einer Reihe gefragt, was mein bisher schlimmster Job war. Hier meine Antwort

Mein schlimmster Job: Abstürzende Vögel und Rechner

Der Kampf für bedrohte Tierarten endet manchmal an einem Schreibtisch: Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament, berichtet von seinen Erfahrungen mit Mäusebussarden, Aktenbergen und den üblichen Gestörten im Landesamt Niedersachsen.

von Carola Sonnet (Protokoll)

Ich habe nicht viele Jobs gemacht, die schlimm hätten sein können. Genau genommen nur einen, aber der war eindeutig der blödeste. Ich war damals 16 und der Anführer der Ökofraktion in der Schule, mit Schafwollpulli und Birkenstocks – wie man sich das halt so vorstellt. Politisch sozialisiert worden bin ich ja auch in der Arbeitsgruppe Tümpel und Lurche des BUND Hannover. Darüber habe ich von dem Job im Landesamt Niedersachsen erfahren: Daten von bedrohten Tierarten mussten in das System der Fachbehörde für Naturschutz eingegeben werden – hauptsächlich, um diese vor großen Bauprojekten zu schützen.

Für ein paar Hundert Mark im Monat saß ich da und tippte bergeweise Akten in den riesigen Rechner ein. 1985 waren die noch ziemlich groß und eher langsam. Freiwillige Naturschützer aus dem ganzen Land hatten bedrohte Tierarten detailliert kartiert, uns die Bögen zugeschickt. und wir haben daraus dicke Kataloge erstellt. Für jede Tierart gab es einen Code, für jedes Planquadrat, in dem sie aufgetreten ist, auch. So ergab sich am Schluss auf der Karte ein genauer Überblick darüber, welche Tiere wo unterwegs und bedroht waren.

Aber wie immer, wenn man mit Freiwilligen arbeitet, gab es ein paar Querschläger. Ich erinnere mich an einen besonders heftigen Fall, der hatte stapelweise Beobachtungen in seinem Kleingarten gemacht und in altmodischer Handschrift ausführlich aufgezeichnet: „Jetzt stürzt sich der Mäusebussard auf die Taube, verfehlt sie nur knapp.“ Weder der Mäusebussard noch die Taube gehörten zu den bedrohten Tierarten, hier ging es mehr um sein großes Kommunikationsbedürfnis. Der übliche Anteil von Gestörten eben.

Die Beamten in der Behörde hab ich genervt, weil ich schneller getippt hab als alle anderen, und immer neue Akten zum Katalogisieren wollte, schon damals zeigte sich dieser idealistische Übereifer. Mit der Beamtenmentalität lässt sich der nur schwer kombinieren. Ich weiß nicht, ob es den Job noch gibt, und schon gar nicht, ob er von Ökos gemacht wird, die ja ohnehin eine vom Aussterben bedrohte Spezies sind.

Ein Kommentar: “Mein schlimmster Job – Abstürzende Vögel und Rechner

  1. Schöne Geschichte. Als passionierter und gut ausgebildeter Jäger bleibt mir dann noch darauf hinzuweisen, dass der Freiwillige nicht nur ein zu großes Kommunikationsbedürfnis hatte, sondern auch wenig Ahnung von Vögeln. Mäusebussarde jagen keine Tauben, fressen sie lediglich mal als Aas. Es war dann wohl eher ein Habicht (auch nicht bedroht). Aber nichts für ungut, eine schöne Parabel allemal über die Folgen uninformierten Idealismusses. Wenn die Folgen nicht real wären, wärs lustig…

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