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Apr

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2010

Nanotechnologie – Was macht die Landesregierung mit den EU-Fördermitteln? Ein Besuch beim Duisbuger IMS-Fraunhofer Institut

Von Fiona, 22. Apr 2010

Prof. Dr. Vogt, Carmen Müller, Sven Giegold und Fiona Schüler

Prof. Dr. Vogt, Carmen Müller, Sven Giegold und Fiona Schüler

Nanotechnologie findet in der Öffentlichkeit immer häufiger Erwähnung. Ob Mikrochips, Lebensmittelverpackungen, Schuhcreme oder Kosmetik: Nano versteckt sich mittlerweile an vielen Orten, auch da, wo man die kleinsten Teilchen zunächst nicht unbedingt erwarten würde.

Befürworter loben das Fortschrittspotential, das in Nanotechnologie steckt und zukünftig zum Beispiel Blinden wieder zu neuem Augenlicht verhelfen soll. Geforscht und entwickelt wird in vielen Bereichen. In der öffentlichen Diskussion wird jedoch deutlich, dass es auch bei dieser neuen technologischen „Wunderwaffe“ zwei Seiten der Medaille gibt.

Kritiker aus den Verbraucherschutz- und Umweltverbänden bemängeln mangelnde Risikoabwägung und Transparenz. Die BUND-Studie „Nanosilber – der Glanz täuscht” (http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/nanotechnologie/20091202_nanotechnologie_nanosilber_studie.pdf) zeigt, dass zum Beispiel die Anwendung von Nanosilber eine große Zahl von Risiken birgt. Das Bundesumweltamt rät sogar von der Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten, ab, bis die Unbedenklichkeit wissenschaftlich bewiesen werden kann.

Bei aller Diskussion muss beachtet werden, dass Nano nicht gleich Nano ist – unterschieden werden müssen vor allem die öffentlich geförderte und die industrielle Forschung. Auch die Europäische Union fördert mit den Mitteln des Strukturfonds EFRE (Europäischen Fonds für regionale Entwicklung) Projekte mit Nanotechnologie. So auch das Duisburger IMS Fraunhofer Institut, das integrierte Mikro- und Nanosystemtechnik entwickelt.

Um uns ein eigenes Bild über die Verwendung der Mittel und die Risiken von Nanoprodukten zu machen, haben Sven, Carmen Müller, Vorstands-Sprecherin der Duisburger Grünen und Landtagskandidatin, und ich dem Institut am 9. April einen Besuch abgestattet. Empfangen wurden wir vom Leiter des Instituts, Prof. Dr. Vogt, und seinem Kollegen Martin van Ackeren. Sie berichteten uns ausführlich von der Entwicklung der CMOS-Technik (Complementary Metal Oxide Semiconductor), die zum Beispiel bei Digitalkameras zum Einsatz kommt. Das Duisburger Institut arbeitet an der Schnittstelle von Mikro- und Nanotechnologie und kooperiert dabei mit der Uni Duisburg-Essen. Wir erfahren, dass die konkrete Forschung mit Nanotechnologie an der Uni stattfindet, das Institut die EFRE-Mittel selbst aber nicht direkt dafür verwendet.

Genutzt werden die Technologien überwiegend im Sinne der Funktionalität, um immer höherwertige Systeme zu entwickeln, z.B. für Infrarottechnik und Bio-Chips. Einige der im Gespräch genannten Anwendungen der Techniken sind durchaus zu begrüßen: Ein in den Körper implantierter Mikrochip könnte Blutdruckpatienten in Zukunft ein problemloses Messen des Blutdrucks ermöglichen.

Was passiert mit Geld von EU und Land?

Ein Drittel der Forschungsgelder wird durch konkrete Forschungsanträge aus der Industrie finanziert, wodurch der Großteil der Forschung des Instituts sehr industrienah ist. Die Nachfrage nach nanotechnologischen Systemen und Produkten steigt dabei zunehmend an. Gleichzeitig gerät Europa immer weiter ins hintere Feld der Spitzenforschung. Längst hat Asien überholt. Prof Dr. Vogt hält die hohen Finanzierungskosten in der Forschung für den entscheidenden Grund. Um den Anschluss nicht zu verlieren, sollen im Duisburger Institut jetzt in einem neuen Mikrosystemlabor „intelligente Mikro- und Nanosysteme“ ausgebaut werden. Die Kosten für den Bau des Labors betragen 16,5 Mio €, die durch öffentliche Fördermittel gedeckt werden, die Hälfte davon besteht aus EFRE-Mittel.

Doch eine Zusage der Mittel bedeutet noch längst nicht, dass mit der Forschung begonnen werden kann. Denn so manches Projekt hat unter der schwarz-gelben Regierung nicht nur Monate, sondern jahrelang ausharren müssen, bis die vom Land kofinanzierten Fördermittel endlich eintrafen. Gerade in der Forschung, die sich, unabhängig vom Bereich, schnell neuen Entwicklungen anpassen muss, ist das ein Unding. Der Prozess muss dringend beschleunigt werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Trotz aller Vorteile und Möglichkeiten, die uns die Nanotechnologie in sich zu bergen scheint, ist eine kritische Betrachtung nötig. Denn noch sind die Risiken nicht klar.

Daher brauchen wir …

1.   eine eindeutige Verbraucher-Kennzeichung der Produkte, die Nanomaterialien enthalten;

2.  die Thematisierung und Aufklärung der Verbraucher und Betroffenen über mögliche Nebenwirkungen und ethische   Aspekte in der Öffentlichkeit;

3.   dass Industrie und Unternehmen Verantwortung übernehmen und ArbeitnehmerInnen, VerbraucherInnen und Umwelt vor möglichen Risiken schützen!

4.  einen Forschungsschwerpunkt auf und Investitionen in die Risikoforschung;

5.  dass es bei gefährlichen und unklaren Bereichen zu einem Verbot der Anwendung kommt. Die Gesetze müssen diesbezüglich den Besonderheiten von Nanopartikeln angepasst werden!

Fiona Schüler

Regionalbüro Sven Giegold


One Response to “Nanotechnologie – Was macht die Landesregierung mit den EU-Fördermitteln? Ein Besuch beim Duisbuger IMS-Fraunhofer Institut”

  1. Diese ständige Debatte um die Bundeswehr. 6 Monate Wehrpflicht, was bringt das? Unser Land soll im Ernstfall die Bundeswehr verteidigen. Kein Mensch kann nach 6 Monaten Ausbildung dieser Aufgabe gewachsen sein. Also warum wird nicht einfach eine Berufsarmee eingerichtet. Und damit die ganzen Sozial-Einrichtungen nich aufschreien, führt man ein sozailes Jahr für alle ein.

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