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Grüne Positionen zur MiFID-Richtlinie


Mein Büroteam und ich haben ein Positionspapier zur Revision der Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) zusammengestellt, dass ich hier gerne dokumentieren und mit Euch diskutieren möchte. Nach erstem wertvollen Input haben wir das Papier noch einmal leicht überarbeitet. Allen die sich beteiligt haben, möchten wir ganz herzlich danken.

Ihr findet das Papier hier als *.pdf zum Download

English version

7 Kommentare: “Grüne Positionen zur MiFID-Richtlinie

  1. Mein Kommentar:
    Die Entflechtung der Banken ist auch zur Reduzuierung der „too big to fail“-Falle dringend erforderlich.
    Ansonsten stellt sich das gleiche Problem in der Beratung beim Kauf von Reisen im Reisebüro. Auch hier wird nicht im Interesse des Kunden, sondern getrieben durch Provisionen und Superprovisionen gesteuert.
    Könnte man nicht bei der Depoteröffnung nicht nur die Anlageprioritäten erfassen, sondern auch den Kunden unterschreiben lassen, dass der Anlageberater umsatz- und erfolgshonoriert arbeitet? (Im Edelbereich gibt es bereits Privatbanken wie Metzler, deren Kundenberater nicht über den Umsatz, sondern die Kundenloyalität honoriert werden). Durch die ausdrückliche Bestätigung dieses Wissens wird implizit auch auf die Berater hingwiesen, die vom Kunden bezahlt werden.

  2. So richtig kann ich das erst kommentieren, wenn ich mal wieder zu Hause an meinem Drucker vorbeikomme… Könnt ihr nicht auch Word-Versions ins Netz stellen ?
    Aber vorab:

    1. Bitte denkt nicht, dass Honorarberatung Qualität garantiert. Auch der Honorarberater bevorzugt Empfehungen, die im wenig Arbeit machen und für ihn risikolos sind. Das sage ich nach meinen Kunden-Erfahrungen mit der deutschen Honorar-Bank, die jedenfalls früher mit dem Konterfei von Gerhard Schick Reklame machte (unentgeltlich ???) ….
    Für den Berater und die Bank ist es am bequemsten, spekulative Empfehlungen mit der Herde abzugeben, also den allgemeinen Trends nachzuschwimmen. Wenn sie zB in den letzten 12 Monaten Gold empfehlen, haben sie nach unserer dubiosen Rspr kaum ein Risiko, weil es idR nicht schuldhaft ist, mit der Herde zu schwimmen und AUßERDEM jeder Kunde ja weiß dass spekulative Empfehlungen unsicher sind. Wüden sie stattdessen invetive Investments (neue oder alte Aktien, Anleihen von Ökofirmen) empfehlen, müssten sie arbeiten, d.h. Bilanzen, GuVs, Planbilanzen und Lebensläufe von Key-Persons prüfen. Das macht Arbeit und ist riskant – vor allem, wenn man nicht mit der Herde schwimmt.

    2. Bei der Provisions“beratung“ gibt es nach meiner Erfahrung unterschiedliche Levels der Skrupellosigkeit. So gibt es zB Privatbanken, die sich auf die MItarbeiter großer Firmen konzentrieren und – für mich nicht ganz unplausibel – sagen, dass sie sich Falscberatung nicht leisten können, weil z.B. die Falschberatung eines Bayer-Mitarbeiters in der Firma die Rund emachen würde und Tausende Kunden kosten würde.

    3. Vor diesem Hintergrund sollten wir zweierlei andenken:

    (a) Gibt es nicht die Kompromissmöglichkeit, die Provisionsbasis dadurch zu entschärfen, dass die Procision nur in Höhe der variablen Kosten (oder Grenzkosten ? Sorry, bin Jurist) gezahlt werden darf und die Kunden einen lanftistig nicht verjährenden Anspruch auf Auskehrung der Überprovision haben (langfristig auflaufende Ansprüche sind idR „material“ und werden vom WP nicht igniriert, sondern im Abschluß gezeigt).

    (b) Muß man die bisher besch…. Beratungsprotokolle nicht dadurch aufwerten, dass sie den Berater nur dann entlasten, wenn sie (aa) die Pros & Cons der Empfehlung vollständig enthalten und (bb) alle direkten und indirekten Verwaltungskosten (Bank + nachgeordnete Manager; auch aktivierbare Kosten, die in AK vesrteckt werden, vollständig enthalten (cc) dem Kunden nachweislich ausgehändigt wurden.

    4. Freund ewegen dem letzten Punkt (Verstecken von Mangement-Kosten in AK) sind UCITs keineswegs unschuldig.

    5. Die Indexfonds sind zwar trendy, aber in der Diskussionsliste und der Fachliteratur kamen ja durchaus schon Warnungen vor der Bombe ….

    Gruß KFR

  3. Herzlichen Dank für die ersten beiden Beiträge auf Svens Seite zu dem Thema. Ich bearbeite für Sven das Thema MiFID. Ein paar Informationen zu meiner Rolle in Svens Büro und zu mir findet Ihr hier.
    Ich hoffe die Diskussion wird sich noch etwas beleben. Ich habe neben Euren Beiträgen noch einiges Feedback per Mail bekommen und bin gerade dabei unser Papier etwas auf Stand zu bringen.

    @ Dietmar Kirchner
    Auch wenn ich grundsätzlich alles, was die Transparenz fördert gut heiße, sehe ich bei Deinem Vorschlag:

    „Könnte man nicht bei der Depoteröffnung nicht nur die Anlageprioritäten erfassen, sondern auch den Kunden unterschreiben lassen, dass der Anlageberater umsatz- und erfolgshonoriert arbeitet?“

    gerade was das Geschäft mit unerfahrenen oder wenig vorgebildeten Kunden ein Problem. Bei Depoteröffnung oder beim Kauf eines Finanzprodukts müssen unzählige Unterschriften geleistet werden. Die meisten dieser Unterschriften sichern den Berater in eventuell folgenden Schadensersatzprozessen ab. Ein Hinweis wie von Dir vorgeschlagen, würde Beratern im Prozessfall einen weiteren Vorteil verschaffen. Im gehobenen Privatbankenbereich, in dem Berater und Kunde eher auf Augenhöhe verhandeln könnte so etwas Sinn machen. Im Kleinanlegergeschäft hätte ich Sorgen, dass diese weitere Unterschrift von Verbrauchern geleistet wird, ohne dass sich die Kunden bewußt sind, was sie da unterschreiben.

    @ Karl Friederichs
    Eine Wordversion werden wir beim nächsten Update hochladen.
    Das in der Honorarberatung nicht alles in Butter ist, ist uns leider auch klar. Ich denke aber, dass sich dieses Problem etwas entschärfen wird, wenn erstens der Wettbewerb zwischen den Beratern angekurbelt wird und zweitens Kunden sich bewusster werden, dass sie für eine Leistung Geld auf den Tisch gelegt haben. Solange die Beratung als kostenlos wahrgenommen wird, würde ich mal tippen, dass Kunden sich über das Preis/Leistungsverhältnis in der Beratung weniger Gedanken machen. Im Grunde wäre eine Erfolgsbeteiligung von Beratern an den Erträgen der von ihnen empfohlenen Produkten der logische Ausweg aus der Misere. So eine Honorarordnung für Berater in der MiFID-Revision durchzusetzen, wird aber wahrscheinlich nicht gelingen.

    Gruß und Dank,
    Johannes

  4. Ich bin mir sicher, daß mit einem Honorarberater keine Probleme gelöst werden. Woher weiß ich, ob der Berater neutral ist, vielleicht kassiert er von beiden Seiten ab. Woher weiß überhaupt ein Laie, ob der Berater wirklich das richtige Wissen für diese immer komplizierter werdenden Produkte besitzt. Oder vielleicht wird der Berater von der emittierenden Bank auch für „dumm“ verkauft, wie es ein paar Berater bei den Wett-Anleihen sogar zugaben.

    Interessant war für mich unter anderem nachfolgender Abschnitt:

    „Zertifikate
    Die erste MIFID enthielt bereits einige wichtige Transparenzvorschriften, die auch für Zertifikate Anwendung finden. Da der Markt für Anlegerzertifikate jedoch auschließlich in Deutschland eine derartige Ausprägung hat, finden die spezielle Probleme des Zertifkatemarktes keine Berücksichtigung.“

    Hiebei muß doch eine Ursache vorhanden sein. Das ist nicht der deutsche Anleger, der nach solchen Papieren schreit, während unser holländischer Nachbar so etwas nicht braucht.

    Die Emissionen von Wertpapieren können in einem Rahmenprospekt, der als Basisprospekt bezeichnet wird, und endgültigen Bedingungen niedergelegt werden. Der Basisprospekt muß von der zuständigen staatlichen Kontrollstelle geprüft und genehmigt werden. In Deutschland ist es die Bafin. Hingegen werden die endgültigen Bedingungen nicht kontrolliert. Sie werden lediglich hinterlegt.
    „§6 Basisprospekt (1) Für die folgenden Wertpapierarten kann der Anbieter oder der Zulassungsantragsteller einen Basisprospekt erstellen, der alle nach §§5 und 7 notwendigen Angaben zum Emittenten und den öffentlich anzubietenden oder zum Handel an einem organisierten Markt zuzulassenden Wertpapieren enthalten muß, nicht jedoch die endgültigen Bedingungen des Angebotes.

    Der Anbieter oder Zulassungsantragssteller hat die endgültigen Bedingungen des Angebotes zudem spätestens am Tag der Veröffentlichung bei der Bundesanstalt zu hinterlegen.“

    http://www.vur-online.de/rechtsquelle/15.pdf

    Und genau dieses wird ausgenutzt. Die Banken erstellen einen Basisprospekte pro forma als „Freibrief“ für alles mögliche. Das Wichtigste überhaupt, die Produkte selber mit den Vertragsbedingungen existieren noch nicht. Diese intransparenten und langen Rahmenprospekte sagen aber absolut nichts über die noch zu begebenden Wertpapiere aus. Die mir bekannten Rahmenprospekte sind alle total nutzlos. Daraus kann der Anleger nichts wesentliches entnehmen. Aber die Banken haben sich damit geschickt einer Kontrolle und Genehmigung entzogen. Mit dem Rahmenprospekt haben die Banken nun einen „Freibrief“ alle möglichen Produkte zu erstellen, die dann nicht kontrolliert und genehmigt werden. Die Wertpapiere selber können gegen jede Regel und Norm verstoßen. Und genau deshalb haben wir soviel Schrott auf dem Markt.
    M. E. hatte die EU den „Basisprospekt“ mit den „Endgültigen Bedingungen“ dafür vorgesehen, wenn ein Produkt bereits klar definiert feststeht, aber z. B. ein abhängiger Kurswert bei Erstellung des Wertpapiers noch nicht festgelegt werden kann, da der Kurs am Ausgabetag voraussichtlich anders ist. In Deutschland werden die „Endgültigen Bedingungen“ aber auf alle vollständigen Produkte angewandt, die sich damit einer Kontrolle und Genehmigung entziehen.

    W i r h a b e n h i e r 2 P r o b l e m e :

    1.) Umgehung der Prospektprüfung
    2.) keine juristische Festlegung von strukturellen/standardisierten Begriffen „Alles kann alles sein“

    http://www.wertpapier-schaden.de/Cobold/Anlegerschutzgesetz.htm

    Bevor die „Grünen“ hier auf EU-Ebene weitere Vorschläge erarbeiten, muß doch zuerst einmal die Basis geklärt werden. Wie werden die o. a. 2 Punkte in anderen Ländern umgesetzt? Wenn in anderen Staaten eine Prospektprüfung erfolgt und strukturellen/standardisierten Begriffe juristisch festgelegt sind, muß doch zuerst einmal der schwammige Paragraph zum Basisprospekt näher definiert werden, um eine einheitliche Basis für alle Länder zu schaffen. Außerdem müßten die Grünen sich Gedanken um eine gesetzliche Festlegung von strukturellen/standardisierten Begriffen machen. Die EU muß doch zuerst einmal eine einheitliche Basis schaffen, bevor Gesetze modifiziert werden oder Neue hinzukommen. Momentan ist die Situation mit nachfolgenden Beispiel zu vergleichen. Ich habe 5 ganz unterschiedliche Kranke, von leichtem Schnupfen bis Krebs im Endstadium ist alles dabei. Wie die Krankheiten entstanden sind und was das für Krankheiten sind, interessiert mich nicht im Geringsten. Aber ich mache riesen große Ausarbeitungen für eine Medikament, daß dann alle Krankheiten besiegen soll.

    Beste Grüße

    Siegrun Roman

  5. 1.Welche Produkte soll das Provisionsverbot denn betreffen? Alle Finanzdienstleistungsprodukte, angefangen bei der Haftpflichtversicherung über den Bausparvertrag bis hin zur Aktienanlage? Niemand wird bei der Beratung für eine Haftpflicht und eine Hausratversicherung ein Honorar an den Berater zahlen, das auch nur ansatzweise angemessen wäre, angesichts der Arbeitsleistung.
    Beispiel Hausratversicherung: Hausrat erfassen, Versicherungsumfang prüfen Versicherungssumme errechnen, Kundendaten erfassen, Produkte verschiedener Unternehmen vergleichen und dem Kunden eine Auswahl vorstellen, Antrag erfassen und abschliessen. Erfahrungsgemäß, wenn gewissenhaft gearbeitet wird, 2- 2,5 Stunden Aufwand. Vergleichsweise angesetzt der Stundensatz eines durchschnittlichen Handwerkers von 45 € würde also ein Honorar von 90,- € fällig werden. DAS zahlt kein Kunde und davon kann kein Berater leben. Also wird immer das Ziel sein eine umfassendere Beratung durchzuführen und „mehr rauszuholen“. Das muss der Kunde sich aber auch leisten können. Die meisten werden genau hier auf der Strecke bleiben und eine minderwertige Beratung für weniger Geld in Anspruch nehmen müssen. Und schon bleibt der kleine Mann auf der Straße ( und das ist die Masse) wieder das Schlußlicht – gemeinsam mit dem Berater der versucht mit diesen Kunden zu überleben. So schiebt man das Geschäft dann auschließlich zu den Banken, unabhängige Berater werden sterben.
    2. wer stellt sicher das die Honorare auch gezahlt werden? Sollen die Berater, nach erbrachter Dienstleitung Rechnung stellen und anschließend Inkasso betreiben?
    3. wer bestimmt die Höhe der Honorare? Die Anbieter selbst? Dann werden nur Banken und Versicherungen es sich leisten können Berater auf Ihre Kunden los zu lassen. Diese können dann mit niedrigsten Sätzen arbeiten, subventioniert von der Bank/Versicherung und eine unabhängige und vergleichende Beratung wäre ad absurdum geführt. Freie Berater (nicht Leute von AWD,OVB etc…) werden dem Preiskrieg nicht gewachsen sein. Nicht gerade verbraucherfreundlich, oder?
    Durch ein Provisionsverbot werden unabhängige Berater vom Markt gedrängt. Es handelt sich hier nicht um, wie sie es gern dastellen möchten, um einen Haufen dahergelaufener Glücksritter, sondern zum größten Teil hochqualifizierte Leute die sich im Laufe der Jahre zu Fachleuten weitergebildet haben und durch einen solchen Eingriff quasi vor den Nichts stehen.
    Sie implizieren hier das durch die Bank weg alle Berater in Sachen Finanzdienstleistung geldgierige Provisionsjäger sind. Das ist schlicht falsch. Der Konkurrenzdruck ist mittlerweile so hoch das man nur mit guter Beratung und hoher Kundenbindung überleben kann. Abzocker sortiert der Markt selbst aus.
    Die bessere Lösung wäre eine Vereinheitlichung der Provisionen und Offenlegung. Für jedes Produkt einer Klasse das gleiche Geld und das wird offen dargestellt.
    Nur dann kann gewährleistet sein das der Kunde das für Ihn am besten passende Produkt erhält, das unabhängig beraten wird und das ohne Rücksicht ob es sich um einen gutbetuchten oder weniger gutbetuchten Kunden handelt.
    Es kann auf keinen Fall im Sinne des Gesetzgebers sein das die Beratung in Sachen Finanzdienstleistung aufgrund des Kostendrucks ausschließlich auf Banken und Versicherungen übergeht die dann bestimmen welche Produkte an welche Klassen von Kunden verkauft werden und wieviel. Wie steuerbar Banken und Versicherungen sind und sein werden zeigt uns gerade die Finanzkrise – nämlich gar nicht und schon mal in keinster Weise durch den Gesetzgeber sondern nur durch die Kunden. Unabhängige Beratung ist die Grundlage dafür.
    Sollten sich die Pläne, wie ich sie hier lese, weiter verdichten haben die Grünen ein Mitglied weniger und einen Gegner mehr.

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