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Niemand spart so eifrig wie die Griechen


Eine jüngst veröffentlichte Studie der irischen Zentralbank beleuchtet die Sparbemühungen der drei Krisenländer Irland, Portugal und Griechenland, sowie Spaniens und Zyperns. Das Ergebnis: Vor allem bei Griechenland gilt: Sparanstrengungen statt Schlendrian.

Wie die nachfolgende Grafik aus der Studie verdeutlicht, hat der griechische Staat in den vergangenen beiden Jahren Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Höhe von 20 Prozent der Wirtschaftsleistung vorgenommen. Damit hat Griechenland relativ betrachtet bislang fünfmal so viel wie Portugal und Spanien konsolidiert. Auch der oft als Musterschüler dargestellte irische Staat kann da nicht mithalten. Die irische Sparleistung liegt  mit rund 14 Prozent der Wirtschaftsleistung gut ein Drittel hinter der Griechenlands.

Quelle: Irish Central Bank/L. Weymes (2012): Fiscal consolidation – Does it deliver? (Vol 2012, No. 7), p. 5

 

Warum liegt die Gesamtverschuldung des griechischen Staats dann Ende 2012 voraussichtlich immer noch bei rund 160% des BIP?  Ein Blick auf die nachfolgende Grafik über die Zusammensetzung der griechischen Neuverschuldung der letzten Jahre hilft hier weiter.

Auffallend ist, dass Griechenland sein Primärdefizit (d. h. staatliches Defizit ohne Berücksichtigung der Ausgaben für Zinszahlungen) ab 2010 verringert hat und 2013 einen Primärüberschuss erzielen soll. Mit diesem Abbau des Primärdefizits hat Griechenland deshalb einen effektiven Beitrag zum Schuldenabbau geleistet. Gleichzeitig zeigt die Grafik auch, dass die im Vergleich zum Wachstum hohen Zinszahlungen (Interest-growth rate differential) den lindernden Effekt des verringerten Primärdefizits, insbesondere seit 2010 wieder aufgefressen haben.

 

Quelle: Irish Central Bank/L. Weymes (2012): Fiscal consolidation – Does it deliver? (Vol 2012, No. 7), p. 11

 

Ein weiterer wichtiger Grund für den weiterhin hohen Schuldenstand von 303,5 Milliarden Euro (rund 160% des BIP), ist die schrumpfende Wirtschaftsleistung. Das griechische Bruttoinlandsprodukt ist seit 2009 um 25 Milliarden Euro gesunken. Wenn das BIP schrumpft, verringert sich der Bezugswert der Schuldenmenge. Deshalb hat die seit 2009 gesunkene Wirtschaftsleistung, die Erfolge bei der Haushaltssanierung verringert und die Verringerung der Schuldenquote erheblich verlangsamt.

Realität und Studie weisen auch darauf hin, dass ein Ende der entbehrungsreichen Sparanstrengungen für die Griechen noch nicht in Sicht ist. Am 17. August veröffentlichte das griechische Finanzministerium neue Zahlen zur Entwicklung der Schulden bis einschließlich Juni dieses Jahres. Die Daten verdeutlichen, dass die Verschuldung in diesem Zeitraum deutlich angestiegen ist. Stiege die Verschuldung in diesem Maße weiter, würde Griechenland das Ziel, bis Ende 2012 seine Staatsverschuldung auf 160% der Wirtschaftsleistung zu verringern, deutlich verfehlen.

Auch die irische Studie weist auf weitere notwendige Sparmaßnahmen hin. Bis Ende 2014 wären demnach Ausgabenkürzungen und Einnahmenerhöhungen von insgesamt einem Drittel der Wirtschaftsleistung notwendig, um einen dauerhaften Schuldenabbau zu erreichen. Noch dazu erstreckt sich die Analyse nur auf Konsolidierungsmaßnahmen, die die griechische Regierung bis Ende April verkündet hat. Die vor kurzem angekündigten Einschnitte sind damit noch nicht berücksichtigt und werden die Sanierungsbelastung für die Menschen noch erhöhen.

 

Die Studie verdeutlicht drei wichtige Punkte, die in der Debatte über Griechenland oft vernachlässigt werden:

Erstens, Griechenland hat bisher Beachtliches geleistet und enorme Einsparungen vorgenommen. Dies gilt es bei der Beurteilung der Lage und Entwicklung in Griechenland zu berücksichtigen.

Zweitens sind Kredite zu günstigen Zinsen für Griechenland überlebenswichtig, denn hohe Refinanzierungskosten machen Sparanstrengungen weitestgehend zunichte. Deshalb war die Zinssenkung um 1,5 Prozentpunkte, von ürsprünglich über 4%,  für Hilfskredite an Griechenland ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Drittens erschwert auch das fehlende Wirtschaftswachstum den Schuldenabbau. Somit steht Griechenland eine Gratwanderung zwischen notwendigem Sparen zum Schuldenabbau und der Beeinträchtigung der Nachfrage und damit der wirtschaftlichen Entwicklung bevor. Dies kann nur dauerhaft gelingen, wenn auf der Ausgabenseite vermehrt in Bereichen wie dem Militär gespart wird, die nur eine begrenzte Abschwächung der Nachfrage bewirken. Auf der Einnahmenseite müssen Menschen mit hohem Vermögen einen angemessenen Beitrag leisten. Dies schafft mehr Einnahmen und ermöglicht eine fairere Verteilung der Sanierungslasten. Außerdem belastet die Besteuerung von hohen Einkommen die Nachfrage nur gering.  

Die Studie (auf Englisch) findet Ihr unter: http://bit.ly/PXBbkY

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