DIE GRÜNEN | EFA im Europäischen Parlament Sven Giegold Am 25. Mai:Grün für ein besseres Europa
Newsletter Einstellungen verändern

Predigt über das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg


 

Gehalten in der Jakobskirche der Evangelischen Gemeinde Bockenheim, Frankfurt am 29. Januar 2017

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott,

unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

 

Der bekannte Text „Von den Arbeitern im Weinberg“ zur heutigen Predigt steht im 20. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. In der Übersetzung der neuen Luther-Bibel:

„1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.

2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.

3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen

4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.

5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.

6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?

7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.

9 Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.

10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen.

11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn

12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.

13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?

14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.

15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?

16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“

 

Liebe Gemeinde,

Liebe Schwestern und Brüder,

Unser heutiger Bibel-Text erzählt von einer damals wie auch heute vielerorts alltäglichen Situation. Tagelöhner warten auf Arbeit. Es herrschte Mangel an Arbeitsplätzen. Der Arbeitgeber konnte sicher sein, Arbeitskräfte zu finden. Vermutlich waren es nicht nur Männer sondern auch Frauen und Kinder, die dort warteten. Den Zuhörerinnen und Zuhörern unseres Bibeltextes damals muss klar gewesen sein: Unter den Tagelöhnern herrschte ein gnadenloser Wettbewerb. Die Fittesten wurden zuerst angeheuert, am Abend warteten die Frauen und Kranken. Wer am längsten wartete waren die Schwächsten, die Prekärsten. Anders als Knechte und Sklaven haben Tagelöhner keine Garantie auf Versorgung. Sie sind auf immer wieder zu neu findenden Lohn angewiesen. Die Tagelöhner lebten ganz unten auf der Leiter der Unsicherheit. Viele hatten vielleicht schon lange keine Arbeit mehr, waren krank. Viele waren hungrig. Vielleicht hatten sie noch mehr Angst am Abend in hungrige Kinderaugen zu schauen. Sie spürten die Scham, für ihre altgewordenen Eltern nicht gut sorgen zu können. Sie hatten keine Gewerkschaft und keinen Sozialstaat. Denn der vereinbarte Tageslohn – ein Silbergroschen – entsprach zu der Zeit etwa dem, was eine Familie zum Leben für einen Tag brauchte.

Diese alltägliche Geschichte in der damaligen Zeit nimmt nun eine überraschende Wendung. Jesus erzählt von einer Hierarchie unter den Schwachen. Mit den ersten Tagelöhnern wird ein Silbergroschen für ein Tagewerk vereinbart, mit den weiteren Arbeitern, den „Kurzarbeitern“, wird keine Lohnvereinbarung getroffen, sondern vereinbart, was gerecht sei. Die letzten Arbeiter schickt der Hausherr sogar ohne jede Vereinbarung in seinen Weinberg. Der Weinbergbesitzer übernimmt persönlich Verantwortung, ist also keine Aktiengesellschaft im Besitz von anonymen Investoren. Er sucht sein Personal selbst aus, schickt seinen Verwalter zur Auszahlung des Lohns, ist aber selbst ansprechbar, um sich zu rechtfertigen. Der Weinbergbesitzer ist nun überraschend großzügig gegenüber den Kurzarbeitern, gegenüber denen die nur wenig geleistet haben. Sie bekommen einen Silbergroschen, wie auch diejenigen, die den ganzen Tag geschuftet haben. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Hausherrn und der Langarbeiter, nicht der Wartenden und Kurzarbeiter. Sie kommen nicht zu Wort. Die Schwächsten bleiben stumm.

Dann neiden die Zuerstgekommenen den Zuletztgekommenen ihr tägliches Existenzminimum. Selbst im Detail ist hier das Gleichnis tiefsinnig. Die Lang-Arbeiter protestieren nicht als die Kurzarbeiter mehr bekommen als sie vielleicht erwarteten. Erst als sie das gleiche erhalten. Sie fordern gar nicht mehr, denn sie hatten den Lohn ja ausgemacht. Vielmehr protestieren sie als der Hausherr ihnen das gleiche gab, wie vorher denen, die weniger geleistet hatten. Sie protestierten gegen die Gleichmacherei. Der Herr schien seine Löhne gerecht zu finden, zumindest wollte er sein Verhalten nicht verstecken, da er zuerst diejenigen bezahlte, die kürzer gearbeitet hatten. Die Reaktion der Lang-Arbeiter ist mitleidlos, unbarmherzig. Kurzum Jesus erzählt von einer antiken Sozialschmarotzerdebatte, bei dem sich der Neid nicht gegen die Vermögenden richtet, sondern gegen die noch Schwächeren.

In Gleichnissen berichtet Jesus von Gott. Die erste Konsequenz dieses Gleichnisses ist: Unser Gott sagt nicht, gesegnet sind die Reichen, Schönen, Erfolgreichen. Keiner der Tagelöhner hatte sich etwas zu Schulden kommen lassen. Alle haben gewartet. Vielmehr steht der Weg zu Gott allen offen. Gott lässt sich nicht berechnen. Gott lässt sich nicht kaufen, auch nicht durch eigene Leistung oder gute Werke. Damit steht das Gleichnis gegen den falschen Glauben eines Leistungschristentum, gegen das sich ja auch Luther mit seinem Widerstand gegen den Ablasshandel gewehrt hat. Diesem Leistungschristentum setzte Luther trotzig sein „sola fide“ entgegen, dass also der Glauben alleine den Weg zu Gott öffnet. Lebensmisserfolg dagegen ist eben kein Zeichen der Ferne von Gott. Wer erfolgreich ist, ist nicht deshalb ein Gesegneter. Umgekehrt ist unser Glaube auch keine Hilfe von oben zur Reichtumsmehrung. Jesus zeigt sich auch bei diesem Gleichnis als Vertreter der Armenfrömmigkeit. Als Ausdruck einer innerjüdischen Wende im 1.-2. Jahrhundert vor Christus vom Bild eines Gottes der nah bei den Erfolgreichen war, zu einem Gott der Armen.

Während diese Deutung verbreitet ist, wurde dieses Gleichnis sozialethisch vielfach entschärft. Das Gleichnis beginnt mit „Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn…“. Dieser einleitende Verweis auf das Himmelreich wurde immer wieder so gedeutet, dass die Moral dieses Gleichnisses sich erst auf ein fernes Reich Gottes bezöge und wir uns im hier und jetzt nicht all zu sehr darum zu scheren hätten. Die Rede vom Himmelreich im Neuen Testament meint jedoch nicht eine ferne Zukunft, sondern eine unmittelbare Erwartung. So berichtet Matthäus in 4,17 über den Beginn des Wirken Jesu an einer Schlüsselstelle: „Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen und zu sagen: ‚Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!’.

Daher ist die einseitige Entschärfung dieses Gleichnisses wenig überzeugend. Gott übt gleiche Güte allen Menschen gegenüber und er verlangt das Gleiche von uns. Davon kann keine Sphäre unseres Lebens ausgenommen werden. Es gibt keine gottesfreien Räume. Gott spricht also hier zu uns auch als ökonomisch Handelnde. Diese Seite des Gleichnisses darf nicht als unbequem beiseite gewischt werden.

So betrachtet ist das Gleichnis ist ein antikes Streitgespräch über drei Dimensionen der Gerechtigkeit: Vertragsgerechtigkeit – Leistungsgerechtigkeit – Bedarfsgerechtigkeit. Die Vertragsgerechtigkeit wird eingehalten, denn die Zuerstgekommenen Arbeiter erhalten genau, was vereinbart wurde. Darauf beruft sich auch der Hausherr. Doch gegen die Leistungsgerechtigkeit wird verstoßen. Die Zuerstgekommenenen haben zwölfmal so lange gearbeitet wie die Zuletztgekommenen. Damit wird alles auf den Kopf gestellt, was wir im Wirtschaftsleben als normal, anständig und fair empfinden. Maximiert wird die Bedarfsgerechtigkeit und Güte. Wie bei allen komplexen Fragen von Gerechtigkeit ist nicht von vorn herein klar, was gerecht ist.

Das hier beschriebene Himmelreich bezieht hier klar Position. Es orientiert sich nicht an der Leistung, sondern am Bedürfnis, und zwar am Bedürfnis der Letzten. Also an den Bedürfnissen, derer, bei denen abends die Kinder hungrig bleiben. Ihre Bedürfnisse zählen, unabhängig davon ob nach ihrer Arbeitskraft für einen ganzen Tag Nachfrage bestand. Grundbedürfnisse zumindest sollten wir jedem und jeder gönnen. Ohne ein Verhalten der Güte und Liebe ist die Gemeinschaft mit Gott gestört. Ichbezogenheit bedeutet Trennung von Gott. Güte schafft Gemeinschaft mit ihm.

Jesus folgt ganz anderen Gesetzen als die herrschende Volkswirtschaftslehre, die auch ich studiert habe. Die Zerstörung des Leistungsanreizes durch Lohngleichheit, der himmlische Kommunismus in diesem Gleichnis, ist für die meisten Ökonomen ein Grauen. Die Orientierung an den Bedürfnissen der Beteiligten wird im Gleichnis oder auch sonst in der Bibel nicht verworfen, weil eine solche Orientierung an der gleichen Würde Leistungsanreize senke und damit zukünftiges Wachstum oder die Effizienz der Volkswirtschaft schädige. Es zählt nicht zuerst der Anreiz sich anzustrengen, sondern es zählen die gleichen Rechte aller. Einzelnen Menschen, Grundrechte unmittelbar zu verweigern – wie hier das Recht auf Nahrung, wird eben nicht – utilitaristisch gerechtfertigt durch eine möglicherweise optimalere Versorgung vieler Menschen später.

Doch auch zur biblischen Rechtfertigung des Klassenkampfs eignet sich das Gleichnis nicht. Schließlich ist es der Weinbergbesitzer, der Güte übt. Es gibt auch keine Spur einer Infragestellung seiner Position als Eigentümer oder gar eines Aufbegehrens der Proletarier.

Auch um die Betriebswirtschaftslehre schert sich Jesus nicht. Der Weinbergbesitzer ist ein Unternehmer folgt keiner gewinnmaximierenden Logik. Er maximierte nicht seinen Gewinn, sondern Güte. Er praktiziert „Solidarisches Wirtschaften“, das nicht nur den eigenen Vorteil sucht, sondern gleichzeitig ethische Ziele verfolgt.

Die Tagelöhner von heute sind etwa die Arbeiterinnen und Arbeiter, die unsere Kleidung nähen, unseren Kaffee anbauen, unsere Smartphones zusammensetzen aber auch diejenigen, die zu Zehntausenden unter Zwangsverhältnissen in der liberalisierten Prostitution in Deutschland ihren Körper verkaufen. Die Tagelöhner sind aber auch die Schwächsten in zukünftigen Generationen, die auf einem geschundenen Planeten noch schlechter werden leben können. Im heutigen Deutschland gibt es glücklicherweise nur noch vergleichsweise wenige Tagelöhner. Die Verletzung von elementaren Grundbedürfnissen durch unser Wirtschaften ist meist unseren Augen entrückt. Doch dass in unserem unmittelbaren Umfeld diese Konflikte weniger sichtbar sind, heisst nicht, dass die moralischen Konsequenzen dieses Gleichnisses grundsätzlich weniger klar wären.

Auch uns ruft dieses Gleichnis auf, die Bedürfnisse unserer Nächsten im Wirtschaftsleben zu achten. Diese Haltung der Güte ist auch weitverbreitet. Menschen nehmen sich Zeit für Schwache, wie die beeindruckende Bewegung zur Unterstützung von Flüchtlingen zeigt. Ebenso im Boom von Sozialunternehmen, die nicht nur den eigenen wirtschaftlichen Vorteil suchen, sondern gleichzeitig soziale oder ökologische Ziele verfolgen. Es gibt Hoffnung, wie viele junge Gründerinnen und Gründer hinter neuen Sozialunternehmen stehen und auf diese Weise die Welt besser machen wollen. Auch zeigt sich vielerorts ein erfreulicher kultureller Wandel. Menschen machen sich los von Statussymbolen, die ihnen und der Umwelt schaden, etwa wenn immer mehr Menschen auf ein eigenes Auto verzichten. Andere arbeiten bewusst weniger für Geld und „downshiften“, um mehr Zeit für Familie, Freunde, Ehrenamt oder Muße zu haben.

Jedem Partner im Wirtschaftsleben mit Güte zu begegnen, ist in globalisierten Wertschöpfungsketten schwerer geworden. Der Boykott internationalen Austauschs, die Abschottung, ist sicher keine Lösung, die sich an den Interessen der Schwächsten orientiert. So wünschen sich die Gewerkschaften und Kirchen in den ärmsten Ländern niemals ein schlichtes Ende der wirtschaftlichen Globalisierung. Sie fordern fairen Handel. Darin sollten, liebe Schwestern und Brüder, sollten wir sie nach Kräften unterstützen. Als Verbraucher und Verbraucherinnen, in unserer Kirche, als Bürger*innen. Gleiches gilt für das ökologische Wirtschaften, zu dem sich viele Unternehmen aufgemacht haben.

Anders als zu Jesu Zeiten geht es heute nicht nur um individuelle Entscheidungen im Wirtschaftsleben. Vielmehr haben wir es über unsere Demokratie auch in der Hand, unsere Wirtschafts- und Sozialordnung zu gestalten. Anders als zu Jesu Zeiten gibt es auch hier Wahlmöglichkeiten. Heute garantiert in Europa der Sozialstaat und Gewerkschaften, dass Grundrechte im Wirtschaftsleben geachtet werden. Das ist durchaus ein Schritt zu der im Gleichnis angelegten Forderung des Rechts auf ein Existenzminimum für alle. Daher kann es auch nicht richtig sein, die Märkte mit immer neuen Verträgen und Abkommen international immer weiter zu öffnen, ohne gleichzeitig genau die Grundrechte zu verankern, die die Würde des Einzelnen und die Bewahrung der Schöpfung garantieren.

Es ist richtig, dass unsere Kirche sich nicht einem Christentum verschrieben hat, das nur der individuellen Erbauung dient. Unsere Kirche stärkt heute beides: Solidarisches Handeln der Einzelnen als auch das Eintreten für eine gerechte Sozial- und Wirtschaftsordnung. So predigen beide große Kirchen in Deutschland gegen jede Form des Manchesterkapitalismus und treten zurecht für die soziale Marktwirtschaft ein, die dem privaten Streben nach Gewinn einen gemeinwohlorientierten Ordnungsrahmen geben will, der auch jeden und jede Einzelne und unseren Planeten schützen will.

Doch genügt das – über 2000 Jahre nach Christi Geburt und 500 Jahre nach dem Anschlag der Thesen in Wittenberg? Schon Luther predigte gegen die Geldliebe. Forderte, dass Geld instrumentell bleiben muss und kein Selbstzweck sein darf. Bei aller berechtigten Vorsicht gegenüber Kulturpessimismus so kann man doch feststellen, dass die Überwindung des Götzen Mammon uns seit der Reformation nicht gelungen ist. Vielmehr erlebt Geld als Selbstzweck, etwa auf den offenen Kapitalmärkten, seine idealtypische Verwirklichung. Viele Menschen pflegen einen ausgeprägten Konsumismus oder zugespitzt noch eine säkulare Ersatzreligion des „Shopismus“. Eine Haltung von Güte und Nächstenliebe hat es fraglos schwer in einem Wirtschaftssystem, das permanent das Gegenteil predigt. Das Geld als Selbstzweck in unserer kapitalistischen Marktwirtschaft entfaltet auch kulturell seine eigene Prägekraft. Gott hat uns Freiheit geschenkt. Doch wie stark sind wir, diese Freiheit im Sinne unseres Auftrags zu nutzen, solange unser ebenso mit der gleichen Freiheit geschaffenes Wirtschaftssystem ständig gegen den Auftrag zur Nächstenliebe „predigt“?

Es ist auch die Aufgabe von Christinnen und Christen Augen und Ohren offen zu halten, für Formen des Wirtschaftens, die uns helfen, dem Götzen des Geldes seine kulturell prägende Kraft zu entziehen. Selbst dann, wenn wir noch kein umfassendes Wirtschaftsmodell kennen, dass die Radikalität der Güte Gottes in unserem Gleichnis der Arbeiter im Weinberg auf eine Wirtschaft für eine arbeitsteilige Gesellschaft mit großen persönlichen Freiheitsrechten verallgemeinerbar macht.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen.

 

————-

Luther zur Auslegung des Gleichnisses:

„So ist nu dies die Summa dieses Evangeliums: kein Mensch ist so hoch noch wird je so hoch kommen, dass er nicht zu fürchten hat, er werde der allerniedrigste. Und umgekehrt, niemand liegt so tief oder kann so tief fallen, der nicht hoffen könnte, dass er der höchste würde. Denn hier ist alles Verdienst aufgehoben und wird allein Gottes Güte gepriesen und ist fest beschlossen: der erste soll der letzte, der letzte soll der erste sein. Damit dass er spricht: der erste soll der letzte sein, nimmt er dir alle Vermessenheit und verbietet dir, dass du dich über keine Hure erhebst, auch wenn du Abraham, David, Petrus oder Paulus wärst. Damit aber dass er spricht: der letzte soll der erste sein, verwehrt er dir alle Verzweiflung und gebietet dir, dass du dich unter keinen Heiligen stellst, auch wenn du Pilatus, Herodes und Sodom und Gomorrha wärst. Denn gleichwie wir keine Ursache haben, uns zu vermessen, so haben wir auch keine Ursache, zu verzweifeln. Durch dies Evangelium wird die Mittelstraße befestigt und bewahrt, dass man nicht nach dem Pfennig sehe, sondern auf die Güte des Hausvaters, welche gleich und von einerlei Art ist über Hohe und Niedrige, über die ersten und die letzten, über Heilige und über Sünder. Und keiner kann sich derselben mehr rühmen oder trösten oder vermessen als der andre.“

 

———-

Quellen

Christoph Levin (2009): Die letzten Gerechten. Predigt über Genesis 18,22–33 am 8. März 2009 (Reminiscere) im Dom zu Berlin.

Erwin Mühlhaupt: Martin Luthers Evangelien-Auslegung, Zweiter Teil: Das Matthäus-Evangelium (Kap. 3-25), Göttingen 1939, 681-683. Nach Weimarer Ausgabe Bd. 17 II, 135-141 (Fastenpostille 1525).

Louise Schrothoff/Dorothee Sölle (1997): Bibelarbeit Matthäus 20, 1-16 auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 1997; http://cdithw.han-solo.net/kunden/kirchentag/kirchentag1997/dokumente/soelle3.html

0Schreibe einen Kommentar

oneundseventy + = 78